„Mobbing beginnt oft schleichend“

„An der neuen Schule wurde dann alles besser und ich nach einem halben Jahr Klassensprecherin.“

 

 

Name: Mareike

Alter: 43

Wohnort: Hoboken/Belgien

Kinder: 1 Jungen

 

Wo beginnt Mobbing für Dich?

Mobbing beginnt oft schleichend – die dummen Sprüche und Lästereien am Anfang will niemand wahrhaben oder man nimmt sie noch auf die leichte Schulter. Aber schon diese dummen, gleichzeitig fiesen Bemerkungen über völlig willkürlich gewählte „Aufhänger“ wie die Frisur, die uncoole Kleidung oder die vermeintliche Körperfülle sind für mich Mobbing.

 

Bist Du selbst einmal gemobbt worden? Wie sah dieses Mobbing zu Deiner Schulzeit aus?

Eigentlich erstreckte sich das Mobbing von der 8. bis zur 10. Klasse. Ich wurde zwar nicht täglich gehänselt, aber doch sehr, sehr oft. Das waren mal Beleidigungen wegen meiner Haare oder wegen meiner damals fülligen Statur oder wegen meiner Brille mit den dicken Brillengläsern. Mal waren es Beleidigungen wegen meiner uncoolen Hobbys wie Klavierspielen oder dem Hören klassischer Musik – in den Pop-Charts kannte ich mich so gar nicht aus. Das konnte aber auch schon mal ein Geschubse sein oder ein ziemlich heftiger Klopfer auf den Rücken.

Ich erinnere mich noch an eine Szene: Einer der Jungen hat in meiner Schultasche herumgekramt und eine Binde zu Tage gefördert. Diese hat er dann johlend im Klassenzimmer herumgeworfen, sehr zur spöttischen Freude etlicher Klassenkameraden. Andere Schulsachen wie Stifte, Füller oder Ähnliches wurden mir auch des Öfteren weggenommen und durch die Gegend geworfen.

Beim Sportunterricht wollte mich zu der Zeit niemand in seiner Mannschaft haben. So war ich immer die Letzte, die dann zwangsweise einer Mannschaft zugeteilt wurde. Das setzte sich auch in anderen Fächern bei Gruppenarbeiten weiter fort.

 

Wie hast Du Dich gefühlt?

Schlecht. Allein gelassen. Ausgestoßen. Das Ganze war auch noch ein Teufelskreis: Ich habe alles in mich hineingefressen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ich habe mein Unglücklichsein quasi in Fressattacken ertränkt. Danach fühlte ich mich für kurze Zeit irgendwie besser, habe aber natürlich immer mehr zugenommen.

Durch das ständige Gehänselt und Erniedrigt werden wurden zudem meine schulischen Leistungen immer schlechter – bis ich dann schließlich in der 10. Klasse sitzengeblieben bin. Ich habe immer öfter auch die Schule geschwänzt.

Meine Eltern haben dann beschlossen, mich auf ein anderes Gymnasium zu schicken. Vom Mobbing wussten sie übrigens nichts. Sie dachten, ich sei faul und/oder zu dumm. Sozusagen das Sahnehäubchen auf dem Mobbing…

An der neuen Schule wurde dann alles besser und ich nach einem halben Jahr Klassensprecherin. Zudem war es ein Gymnasium, an dem Musikmachen ganz großgeschrieben wurde.

 

Gab es ein Ereignis, das Dich oder andere besonders geprägt hat? Was für Auswirkungen hat das auf Dein späteres/jetziges Leben gehabt?

Ich erinnere mich zwar an diverse unschöne Szenen. Aber ein speziell schlimmes Ereignis, das sich auf mein späteres Leben ausgewirkt hat, das gab es nicht. Vermutlich, weil ich an der neuen Schule so gut aufgenommen und integriert wurde.

 

Du bist jetzt selbst Mutter eines noch recht kleinen Kindes. Wie versuchst Du zu verhindern, dass Dein Kind mal selbst andere Kinder mobbt?

In erster Linie durch die Erziehung natürlich. Unser Sohn wird hoffentlich lernen, u.a. andere zu respektieren, offen für andere und anderes zu sein, vorurteilsfrei zu sein. Ich hoffe, dass wir es schaffen, eine vertrauensvolle Umgebung für ihn zu schaffen, damit er frei erzählen kann, wie er sich in der Schule bzw. außerhalb des Elternhauses verhält.

Bei ersten Anzeichen, dass er zu einer Gruppe hänselnder Kinder gehört, werden wir gegensteuern, ihm deutlich machen, dass es absolut feige ist, mit mehreren auf einen Schwächeren (verbal) loszugehen. Auch wenn er „nur“ ein Mitläufer sein sollte und kein Rädelsführer. Das alles bedeutet: viel miteinander sprechen, und damit früh zu beginnen.

 

Gibt es etwas, dass Du Kindern raten möchtest, die zum Mobbing-Opfer geworden sind?

Vertraut Euch jemandem an! Schluckt euren Kummer nicht hinunter, verschweigt nicht, dass ihr gemobbt/gehänselt werdet. Das können die Eltern sein oder Freunde oder auch der Vertrauenslehrer. Das ist kein Petzen! Damit stellt ihr euch dem Problem und macht bereits einen Schritt aus der Opferrolle hinaus.

Setzt euch verbal zur Wehr! Bietet den Mobbern Paroli. Je früher ihr das macht, desto früher merken sie, dass sie es mit einem Gegenüber zu tun hat, der sich zur Wehr setzt und sich erst gar nicht in eine Opferrolle drängen lässt. Das ist schwierig, ich weiß. Sprecht euch selbst Mut zu und sagt euch: Ich bin zwar supernervös und habe ein bisschen Angst, aber ich traue mich trotzdem, mich zu wehren! Übt das zusammen mit euren besten Freunden, Eltern und Lehrern. Dann bekommt ihr gute Tipps, was ihr sagen und wie ihr euch den Mobbern gegenüber verhalten könnt.

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